11.Oktober 2026 Vom Zuckerwerk zum Vogelparadies – unser Tag zwischen Ormož und Maribor
Unsere Reise begann an einem Ort mit einer ungewöhnlichen Geschichte: den Ormoške lagune, gleich neben dem Ormoško jezero. Wo heute Schilf wächst und Vögel rasten, stand früher Industrie. Auf den fruchtbaren Feldern der Prlekija an der Drau gedeiht Zuckerrübe hervorragend, deshalb wurde 1979 in Ormož eine Zuckerfabrik gebaut. Für das Werk rodete man große Teile des Auwalds am Ormoško jezero und hob Becken für das Abwasser aus. Das nährstoffreiche Wasser darin lockte schnell zahlreiche Wasservögel an, die hier ideale Futterplätze fanden.
Bemerkenswert ist, wie gut Industrie und Naturschutz hier zusammenarbeiteten. Gemeinsam mit der Fabrikleitung baute die Vogelschutzorganisation DOPPS Brutflöße für Flussseeschwalben, passte den Wasserstand an und führte eine späte Mahd der Dämme ein. 2006 musste die Fabrik wegen der EU-Zuckermarktreform schließen. Ohne Pflege drohten die Becken zuzuwachsen – doch die Fabrikleitung und der niederländische Mehrheitseigentümer Royal Cosun schenkten das gesamte Gelände am 2. März 2010 der DOPPS, damit dort ein Naturschutzgebiet entstehen konnte. Nach EU-geförderten Renaturierungsmaßnahmen wurde das Feuchtgebiet 2017 offiziell zum Naturreservat erklärt.
Heute umfasst das Reservat rund 55 Hektar Feuchtgebiet im Ökosystem der Drau. Während des Vogelzugs tauchen hier regelmäßig etwa 30 Arten auf, manchmal bis zu zehntausend Vögel, vor allem Bruchwasserläufer und Kampfläufer. Ein schönes Detail: Als Beobachtungsposten dienen alte Schiffscontainer – eine Erinnerung an die industrielle Vergangenheit.
Nach so viel Natur zog es uns weiter nach Maribor. In der Altstadt ließen wir es uns erst einmal kulinarisch gut gehen, bevor wir den Tag mit einem gemütlichen Spaziergang entlang der Drau ausklingen ließen. Das Flussufer mit Blick auf die alten Häuser des Lent-Viertels war der perfekte Abschluss für einen Tag, der zeigte, wie eng Geschichte, Natur und Genuss in dieser Region beieinanderliegen.
